Ohrentzündungen werden in akute Mittelohrentzündung, Flüssigkeit im Mittelohr, Gehörgangsentzündung und chronische Mittelohrentzündung unterteilt und sind bei Kindern unter fünf Jahren häufiger. HNO-Spezialist Op. Dr. Süleyman Kumbasar, Praxis in Bahçelievler, Istanbul, bestimmt die Art der Entzündung durch Untersuchung des Trommelfells und veranlasst bei Bedarf einen Hörtest. Flüssigkeit im Mittelohr bildet sich meist innerhalb von drei Monaten von selbst zurück; bei anhaltenden Fällen mit Hörminderung werden Paukenröhrchen erwogen.
Was ist eine Ohrentzündung?
Ohrentzündungen können in verschiedenen Bereichen des Ohrs auftreten. Die häufigsten Formen sind:
- Akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media): plötzliche, schmerzhafte, oft fieberhafte Entzündung des Mittelohrs hinter dem Trommelfell
- Flüssigkeit im Mittelohr (Paukenerguss, Seromukotympanon): schmerzlose Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr; sie führt zu einer Hörminderung
- Gehörgangsentzündung (Otitis externa): schmerzhafte Entzündung der Haut des Gehörgangs, häufig nach dem Schwimmen
- Chronische Mittelohrentzündung: wiederkehrender Ausfluss bei einem Loch im Trommelfell
Warum sind sie bei Kindern häufiger?
Bei Kindern ist die Ohrtrompete (Eustachische Röhre), die das Mittelohr mit dem Nasenrachen verbindet, kürzer und waagerechter und verschließt sich bei Erkältungen leicht. Große Polypen, Kita-Besuch, Tabakrauch in der Umgebung und Fläschchentrinken im Liegen erhöhen das Risiko. Am häufigsten ist die Mittelohrentzündung bei Kindern unter fünf Jahren.
Welche Beschwerden treten auf?
Bei der akuten Mittelohrentzündung bestehen Ohrenschmerzen, Fieber, Unruhe, Ziehen am Ohr und gestörter Schlaf; reißt das Trommelfell ein, läuft Flüssigkeit aus dem Ohr und der Schmerz kann nachlassen. Flüssigkeit im Mittelohr ist meist schmerzlos: Verzögerte Reaktion auf Ansprechen, lautes Fernsehen, Unaufmerksamkeit und verzögerte Sprachentwicklung können die ersten Zeichen sein.
Wie werden sie behandelt?
Bei der akuten Mittelohrentzündung steht zunächst die Schmerzbehandlung im Vordergrund. Je nach Alter des Kindes und Schwere der Beschwerden kann ein Antibiotikum begonnen oder in leichten Fällen 48–72 Stunden abgewartet und beobachtet werden; die Entscheidung erfolgt bei der Untersuchung anhand des Trommelfellbefunds.
Flüssigkeit im Mittelohr bildet sich meist innerhalb von drei Monaten von selbst zurück; in dieser Zeit werden Verlaufskontrollen empfohlen. Leitlinien empfehlen in dieser Situation keine routinemäßige Gabe von Antibiotika, Kortison, Antihistaminika oder abschwellenden Mitteln. Besteht die Flüssigkeit länger als drei Monate, wird ein Hörtest durchgeführt und die Behandlung nach dem Ergebnis geplant.
Paukenröhrchen
Paukenröhrchen werden erwogen, wenn in beiden Ohren länger als drei Monate Flüssigkeit besteht und das Hören beeinträchtigt, oder bei wiederkehrender akuter Mittelohrentzündung mit fortbestehender Flüssigkeit im Befund. Über eine kleine Öffnung im Trommelfell wird die Flüssigkeit abgesaugt und ein kleines Röhrchen zur Belüftung des Mittelohrs eingesetzt. Das Röhrchen fällt meist innerhalb von 6–18 Monaten von selbst heraus, und das Trommelfell verschließt sich. Bei Kindern ab 4 Jahren, die erneut Röhrchen benötigen, kann zusätzlich die Entfernung der Polypen erwogen werden.
Ohrentzündungen bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen ist die Gehörgangsentzündung am häufigsten; die Behandlung beginnt mit Ohrentropfen. Das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen reizt die Haut des Gehörgangs und begünstigt diese Entzündung. Besteht bei einem Erwachsenen lange Flüssigkeit nur in einem Ohr, sollte der Nasenrachen endoskopisch untersucht werden; weitere Hals-Nasen-Ohren-Themen finden Sie auf der Seite HNO. Bei chronischer Entzündung mit Loch im Trommelfell und wiederkehrendem Ausfluss kann ein operativer Verschluss erwogen werden.
Welche Situationen sind dringend?
- Schwellung und Rötung hinter dem Ohr, wobei das Ohr nach vorn absteht
- Schwäche einer Gesichtshälfte oder ein herabhängender Mundwinkel
- Starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit
- Plötzlicher Hörverlust oder starker Schwindel
Suchen Sie bei diesen Zeichen umgehend eine Notaufnahme oder einen HNO-Spezialisten auf. Weitere Ohrthemen bei Kindern finden Sie auf der Seite Kinder-HNO.
Ablauf der Operation
Einsetzen von Paukenröhrchen: Über eine kleine Öffnung im Trommelfell wird die Flüssigkeit abgesaugt und das Röhrchen eingesetzt.
Bei Kindern eine kurze Vollnarkose; bei Erwachsenen meist örtliche Betäubung.
Für beide Ohren meist 10 bis 20 Minuten; mit Entfernung der Polypen länger.
Entlassung am selben Tag.
Das Röhrchen fällt meist innerhalb von 6–18 Monaten von selbst heraus; das Trommelfell verschließt sich in der Regel von selbst.
Heilungsverlauf
Aus dem Ohr kann leicht blutiger oder wässriger Ausfluss kommen; bei Bedarf werden Ohrentropfen gegeben.
Bei der ersten Kontrolle wird geprüft, ob die Röhrchen richtig sitzen und durchgängig sind und ob sich das Hören gebessert hat.
Bis das Röhrchen herausfällt, erfolgt etwa alle 6 Monate eine Kontrolle. Bei Ausfluss aus dem Ohr werden Tropfen verwendet.
Es wird kontrolliert, ob sich das Trommelfell verschlossen hat und sich keine Flüssigkeit erneut angesammelt hat.
Häufige Fragen
Verursacht Wasser im Ohr eine Entzündung?
Bei intaktem Trommelfell verursacht Badewasser keine Mittelohrentzündung. Bei häufigem Schwimmen kann im Gehörgang verbleibendes Wasser eine Gehörgangsentzündung begünstigen; Abtrocknen des Ohrs nach dem Schwimmen genügt.
Darf ein Kind mit Paukenröhrchen schwimmen?
Leitlinien halten routinemäßige Ohrstöpsel beim Baden oder Schwimmen bei Kindern mit Röhrchen nicht für nötig. In verschmutztem Wasser wie Seen oder beim Tieftauchen kann ein Schutz empfohlen werden; das wird bei der Kontrolle besprochen.
Kann eine Ohrentzündung zu bleibendem Hörverlust führen?
Die Hörminderung durch Mittelohrentzündung oder Flüssigkeit im Mittelohr ist meist vorübergehend und bessert sich mit der Heilung. Wiederholte, lang anhaltende Entzündungen können jedoch Trommelfell und Mittelohr dauerhaft schädigen; deshalb werden anhaltende Fälle kontrolliert.
Ist bei einer Mittelohrentzündung immer ein Antibiotikum nötig?
Nein. Bei älteren Kindern mit leichten Beschwerden ist ein Abwarten über 48–72 Stunden eine Option. Bei Kindern unter zwei Jahren, bei starken Schmerzen und hohem Fieber oder bei Ausfluss aus dem Ohr wird häufiger ein Antibiotikum begonnen.
Bleiben Paukenröhrchen dauerhaft im Ohr?
Nein. Röhrchen fallen meist innerhalb von 6–18 Monaten von selbst heraus. Bleiben sie sehr lange, können sie bei Bedarf bei einer Kontrolle entfernt werden.
Sollte man die Ohren mit Wattestäbchen reinigen?
Ohrenschmalz ist ein natürliches Sekret, das den Gehörgang schützt, und der Gehörgang reinigt sich selbst. Wattestäbchen können das Ohrenschmalz tiefer schieben und die Haut des Gehörgangs reizen, was Entzündungen begünstigt. Ist das Ohr verstopft, wird es in der Praxis gereinigt.
Verwandte Behandlungen
Quellen
- Lieberthal AS et al. The diagnosis and management of acute otitis media. Pediatrics, 2013.
- Rosenfeld RM et al. Clinical Practice Guideline: Otitis Media with Effusion (Update). Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 2016.
- Rosenfeld RM et al. Clinical Practice Guideline: Tympanostomy Tubes in Children (Update). Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 2022.
- Rosenfeld RM et al. Clinical practice guideline: acute otitis externa. Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 2014.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information; Diagnose und Behandlungsentscheidung trifft der Arzt nach der Untersuchung. Die Ergebnisse chirurgischer und interventioneller Eingriffe sind von Person zu Person verschieden.